Ich war noch niemals in Hamburg

Sorge-

rechtapartheid

 

Die zwischen Vätern und Kindern praktizierte Apartheid,stellt wohl das größte Skandalon unserer wohlständigen Gesellschaft dar. (Raoul Schrott)

Ich war noch niemals in Hamburg

 

Hier zunächst der Link zum Beitrag wie er auf "Bolles Gastseite" veröffentlicht wurde.

 

In den nächsten Tagen wird der persönliche "Beziehungsteil" auf dieser Seite quasi nachgereicht. Wieso-Weshalb-Warum war ich noch niemals in Hamburg, wenn doch mein Vater mehrfach und mein Großvater Kurt dort fast regelmäßig ins Elbwasser gespuckt haben?

11.05.2017

 

Zuvor noch der Ergänzungslink zum obigen Beitrag auf "Bolles Gastseite" vom 15.05.2017.

 

 

"Elwe" ist mundartig so Anhaltinisch markant wie "Lewerwurscht".

 

Von Dessau nach Hamburg sind es etwa 152 Meilen. Luftlinie.

Von Berlin an die Küstenmetropole kommen ein paar Werst mehr hinzu.

Wieviel Liter Elbwasser zwischen meiner Geburtsstadt Rozelowe und der Friee un Hansestadt Hamborg fließen vermag niemand so "janz jenau" zu sagen.

Mal mehr, mal weniger und mal ist die Elwe och janz wild, "hochwasservernarrt" und besucht ihre Anwohner im Keller ihrer Häuser. Ungebeten.

 

Immer wieder taucht der Fluss im Leben meiner Familie, in den Biografien meiner Mischpoke auf, mal mehr, mal weniger doch stets frappant in den Biografien meiner Mischpoke auf.

Die Elbe. Fast gehört sie zu "Bolles Familienalbum" wie ein Familienmitglied.

Doch als familiärer Schicksalsstrom ist sie nicht zu bezeichnen. Mehr vielleicht als Stichwortgeber für familiäre Anekdoten, u.a. von und über Kurt, meinen riesig kleinen Opa und seiner Frau, meiner Oma Else.

Kurt und Else.

Flussschiffer, die nicht schwimmen konnten und jahrelang auf der Elbe zuhause waren bevor sie sich an ihrem Ufer niederließen.

 

Ich war ihr erster Enkel, geboren in der Schifferstadt Roßlau/Rozelowe an der Elbe und dort traditionsgemäß mit Elbwasser getauft worden. Meine Mutter war Teil des glockenklaren Stimmbildes des Kirchenchores und so war der Ritus der Taufe vorgegebene Pflicht.

Während mein Vater in der Uniform der Kasernierten Volkspolizei zigarettequalmend vor dem Gotteshaus wartete erlebten Anwesende in der Kirche meine erste Begegnung mit Elbwasser als ein "Brüllen wie am Spieß". Zumindest haben Zeit- und Augenzeugen meiner Taufe das Geschehen derart einprägsam geschildert.

 

In späteren Jahren rächte ich mich an Mütterchen Elbe nachhaltig indem ich in ihre Wassermassen spuckte, badete und pinkelte.

Im Gegenzug forderte der Fluss meine ungestüme Kraft und mein jugendliches Können beim Segeln und Kutterpullen heraus.

Doch die Elbe und ich schlossen Frieden und ich genoß fortan das leichte Wellenspiel des Elbwassers zumeist als Passagier auf Fahrgastschiffen.

Das war weder schweißtreibend noch bescherte es Muskelkater und Schwielen.

 

Das Elbsandsteingebirge, das Kornhaus in Dessau, die Städte Magdeburg, Dresden, Usti nad Labem und Decin lernte ich zuerst von der Wasserseite aus kennen.

Obwohl ich mich im Laufe der Jahre in die Wasser des Orinocos, des Rheins und der Spree stürzte blieb ich der alten Dame Elbe, einer geborenen Labe, bis zum heutigen Tag treu.

Egal von wo ich anreise, kaum irgendwo in Elbnähe, stellt sich bei mir das Gefühl der Begrüßung und der Heimatnähe ein, ob nun als gefühlte, wässrige Verbindung von einem x- beliebigen Ort ihres 1100 Kilometer langen Flusslaufs oder direkt beim Überqueren der Roßlauer Elbbrücke auf der B184.

 

Wenn auch der Strom "nur" eine Länge von schlappen 680 Meilen aufweisen kann habe ich bisher weder die Quelle der Elbe im Riesengebirge noch ihre Mündung in Cuxhaven besucht. Von den drei Großstädten die das Elbwasser (nicht nur für Taufzwecke) nutzen können kenne ich Dresden und Magdeburg.

In Hamburg an der Elbe war ich noch nie.

Vielleicht ändert sich das in diesem Jahr, weil meine Frau und ich zusammen mit unseren beiden Yorkis erstmals an die Nordsee reisen. In Friedrichskoog , an der offiziellen seewärtigen Begrenzung der Elbe, wartet eine Ferienwohnung auf uns. Vielleicht können wir neben Dates mit Wattwürmern und Heulern und den Besuch von Seehundbänken eine Visite in Hamburg verwirklichen.

Aus einem ganz einfachen Grund.

Ich war noch niemals in Hamburg, wenngleich die Stadt, wie auch ihr bedeutenster Wasserlauf, stets bei uns zu Gast waren.

 

in Arbeit

zuletzt im Februar 2018