Vatermeiner

Sorge-

rechtapartheid

 

Die zwischen Vätern und Kindern praktizierte Apartheid,stellt wohl das größte Skandalon unserer wohlständigen Gesellschaft dar. (Raoul Schrott)

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Vatermeiner

Kapitel in Arbeit

Langfassung für die Familie

(meine Schwestern, Kinder, Neffen und Nichten)

mit der Bitte um Zuarbeit/Ergänzungen

oder Änderungswünschen)

 

Die Vorstellung dereinst harfezupfend und durstig neben dem Engel Aloisius auf einer Wolke sitzend, den Zeitplan der himmlischen Hausordnung folgend zu frohlocken und ab und an ein Hosianna "Luja, Luja, Halleluja" in die Weiten des Himmels zu schicken, behagte meinem Vater nie.

 

Er war ein Bayer mit Migrationshintergrund, voll integriert in Franken und stolz auf seine Wurzeln im Land der Frühaufsteher.

Ein Hosianna war nicht sein Ding.

Ein lautstark in die Welt posauntes "Japadapadu" oder eine knarrige Ansprache wie "Gestatten, von Latten! Uralter deutscher Adel. Seit zehn Jahren geschlechtskrank!" entsprach eher seinem Naturell.

Bei einer Wahlmöglichkeit zwischen dem Engel Aloisius und dem trinkfreudigen von Latten wär' Vaters Entscheidung mit 101% auf Letztgenannten entfallen.

Kein depperter Grantler, keine debile Frohnatur war er weder Engel noch Teufel sondern ein lebensbejahender powerman, ein Familienmensch der fleißig malochte und ausgelassen feiern konnte, a faultless male human with mistakes.

 

 

 

Vatermeiner.

Mein Dad.

 

 

 

Er war da.

Für mich.

Und nicht nur.

 

 

 

Ich trage den Namen meines Vaters.

Mehr als sechs Jahrzehnte wandelten zwei

Hans Gert Bollmanns auf Mütterchen Erde.

 

 

Zeitlebens verstanden wir uns als

Sonnenköppe und Muldpiraten, familiär eng miteinander verbunden, stets stolz auf unsere anhaltinischen Wurzeln, von denen wir uns nie richtig trennten.

Mein Vater der "olle" Dessauer und ich der "jungsche" Roßlauer.

 

Auch nach dem Genuss jahrzehntelangen fränkischen Brauchtums in seiner Altersheimat im Bayreuther Land liebte Vater es über alle Maßen seine Herkunft aus dem Land der Frühaufsteher als positiv herauszustellen.

 

Ich stehe ihm dabei keineswegs nach.

Hat es mich doch nach Preußen in eine seit vierzig Jahren haltende Ehe mit einem echten Berliner Pflänzchen verschlagen und stets, wenn ich mein Frau ärgern oder necken will, bezeichne ich mich als anhaltinischen Kulturbringer für die hauptstädtische Provinz.

Ich bin also ganz der Apfel der nicht weit vom Birnbaum fällt, ein Muldpirat der in seinen jungen Jahren, als Roßlau nicht mehr eingemeindeter Teil einer Gauhauptstadt und noch nicht degradierter Stadtteil von Dessau war, Sönnenköppe vom anderen Ufer der Elbe veralberte und später als junger Mann, mit der frechen Klappe des Frühaufstehers, sogar den preußischen Piefkes zeigte "wo der Hammer hängt".

 

Als Sonnenkopp und Muldpirat'n waren Vater und ich lange mit unserer anhaltinischen Heimat verbunden, liebten den Kräuterlikör Hobusch (eine Spirituosenspezialität die, zusammen mit Dessauer Bier genossen, eine wahrhaft umwerfende Kombination für Magen, Darm, Nieren und Geruchsorgan ergab), aßen leidenschaftlich gern bei Pferde-Schaecke (die Portion Klopse für 1,20 Mark) und rülpsten voller Begeisterung mit Waldmeisterbrause für 21 Pfennig um die Wette.

Die begehrte Mitsching-Brause, das beliebte Mach-Bäuerchen-Wasser für lust- und geräuschvolles Aufstoßen von Luft überlies Vater uns Kindern. Er bevorzugte, natürlich, Dessauer Helles, notfalls auch Sternburg Pils. Dessauer Pilsner war in den sechziger Jahren ein geschmackliches NoGo.Das Edelpils Dessator kam erst in den 70ern auf den Markt und war für viele zu teuer, sodass ich Dessauer Biertrinker als Trinker von Hellem in Erinnerung habe und schon meine kleine Getränkekunde beenden kann. Bier schmeckte mir (damals) nämlich nicht...

 

Das Biertrinken war also kein verbindendes Vater-Sohn-Band während der gemeinsamen Dessauer Jahre.

Was aber dann?

Gemeinsames Lachen?

Unser beider Art Humor war gewöhnungsbedürftig und manchmal "oberschwarz".

Ob ein Gendefekt die Ursache war kann ich nicht sagen.

 

 

Noch heute bin ich mir sicher, das mir Tränen in die Augen schießen sobald ich Huckleber Finn Abenteuer lese und ich die